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Martin Schoock, Niederlande

Traktat von der Butter und der Abneigung gegen den Käse

  Außentitel

  Innentitel

  Bibliographische Angaben

  Zu dieser Ausgabe

  Vorwort von Dr. phil. Siegfried Kratzsch

  Buchbesprechung (in Englisch), von Prof. Dr. Manfred Kroger, in Comprehensive Reviews
     in Food Science and Food Safety, 2009

  Inhaltsübersicht

  Zum Geleit von Dr. Dieter Hansen

  Rezension zum Buch von Prof. Schlimme(Milchwissenschaft 64. Jg., 2009, Heft 2, S. 195)

  Rezension in Englisch Translation by Axel Mixa and Alan Hodgkinson

  Rezension in Englischby Prof. Manfred Kroger, Penn State University 2009

  Bilderübersicht


Martin Schoock, Traktat von der Butter und der Abneigung gegen den Käse

Innentitel

  

Bibliographische Angaben

Martin Schoock: Traktat von der Butter; Diatribe von der Abneigung gegen den Käse, Groningen 1664.

Neu und in Übersetzung durch Dr. phil. Siegfried Kratzsch, Halle a.d.S., herausgegeben von Dr. Carl-Ludwig Riedel und Dr. Dieter Hansen. Beiträge zur Milchwirtschaft Band 5 (Große Reihe Band 2),
ISBN 978-3-9810663-3-3.

Verlag Milch & Kultur Rheinland und Westfalen e. V., Köln 2008
(271 Seiten, 30 Abbildungen, Preis 24,50 )

Zum Text

Das im Original 1664 in lateinischer Sprache erschienene Werk - der damals in Europa üblichen Sprache der Wissenschaftler - war bis dato unübersetzt und liegt erstmals in deutscher Sprache vor.

Der damalige Wissensstand um Milch, Butter und Käse sowie als Novum die Darstellung der Abneigung gegen den Käse sind auch aus moderner Sicht von hohem Interesse. Schoock wertete für dieses Werk Texte des Alten und Neuen Testaments, antiker Autoren (76), mittelalterlicher Autoren (22) und moderner Autoren bis 1664 aus (113). Die enthaltenen Abbildungen sind im Originaldruck nicht vorhanden, stammen jedoch zumeist ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert.

Die Übersetzung wurde nach einem ledergebundenen Exemplar von Dr. Josef Hüfner (mit Goldschnitt in 8) vorgenommen, das 312 Seiten enthält (Tractatus de Butyro mit 188 Seiten; Tractatus de Aversatione Casei, auf den Seiten 189 bis 312).
Das Original enthält als einzige Abbildung das auf dem Außentitel dargestellte Buchdruckerzeichen von Johann Cöllen aus Groningen mit dem Wahlspruch: "Ich diene duch Vervielfältigen".

Zu dieser Ausgabe

von C.-L. Riedel, R. Belke-Grobe und H. Stöcker

Die Erschließung bisher nicht in deutscher Sprache vorliegender Quellen zur Geschichte der Milchwirtschaft wird mit dem vorliegenden Band fortgesetzt. Er bietet als Band 5 der "Beiträge zur Milchwirtschaft" (Große Reihe Band 2) einen Einblick in die Herstellung von Butter und Käse aus niederländischer Sicht des 17. Jahrhunderts. Das ursprünglich 1664 in Groningen erschienene Werk eines Nichtmediziners umfasst neben einer damals sehr häufig vorangestellten Widmung – hier an Otto Freiherr von Schwerin, Erbkämmerer der Kurmark Brandenburg – eine Vorrede an den Leser und 312 Seiten Text. Die Widmung deutet schon auf erste Kontakte des Verfassers zum Kurfürsten von Brandenburg hin. Martin Schoock wurde nämlich bereits im Jahr des Erscheinens dieses Buches Historiograph und Ratgeber des Kurfürsten von Brandenburg, der ihn im Juli 1666 zum Honorarprofessor für Geschichte an der Universität Frankfurt/Oder berief, wo Schoock vermutlich 1669 starb. Die vorliegende Reihe, für deren Übertragungen aus dem Lateinischen wiederum Herrn Dr. phil. Siegfried Kratzsch herzlich gedankt sei, soll fortgesetzt werden. In Vorbereitung befinden sich milchwirtschaftliche Schriften aus dem 17. Jahrhundert von Bartholomäus Bolla, Johannes-Petrus Lotichius und Fritz Käsefaix unter dem Arbeitstitel "Caseologia und andere Disputationen". In diesem Werk wird ausschließlich das Thema Käse behandelt. ähnliches gilt für das Projekt "Texte zur Milch- und Käsereigeschichte" mit Briefen an Conrad Gesner nach Erscheinen seines "Libellus de lacte (1541) durch Heinrich Dettling (28.9.1552) bzw. Joachim Bifrons (27.1.1556), ein lateinisch-maccaronisches Sennengedicht von Josef-Anton Omlin und käsereigeschichtlich wichtige Texte von Johann Jacob Scheuchzer aus der Schweiz. Weitere Projekte sind die Darstellung der Geschichte der Milchwerke Köln/Wuppertal und der Aufbau eines Milchmuseums am Niederrhein. Für all diese Projekte und das vorliegende Werk danken die Herausgeber und der "Verein Milch & Kultur Rheinland und Westfalen e. V." wiederum allen Sponsoren aus der Molkereiwirtschaft, die diese Herausgabe ermöglicht haben. Ein besonderer Dank gilt der seit 1994 mit Akribie und Fleiß tätigen Frau Marina Bela, Düsseldorf, die sich um die Historie der Milchwirtschaft ein besonderes Verdienst erworben hat.

Dem vorliegenden Band sind eine zeitgenössische Darstellung des Autors Martin Schoock, Abbildungen aus der Geschichte, der Herstellung und dem Vertrieb vom Butter und Käse, der Lebenslauf und das Werkverzeichnis von Schoock, von ihm zitierte Autoren, ein Abbildungs- und Sachverzeichnis sowie ein Lebenslauf des Übersetzers Dr. Kratzsch beigefügt.

Möge auch dieses Buch dem Berufstand der Milchwirtschaftler und Milchwissenschaftler und allen historisch am Gebiet der Milchwirtschaft Interessierten Freude machen und günstige Aufnahme finden!

Dr. Carl-Ludwig Riedel     Rötger Belke-Grobe †     Hans Stöcker


Verein Milch & Kultur Rheinland und Westfalen e. V.
Geldernstraße 35
50739 Köln
www.verein-milch-und-kultur.de

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Vorwort von Dr. phil. Siegfried Kratzsch

Das hier nach der lateinischen Erstausgabe zum ersten Mal in deutscher Überset-zung erscheinende Buch von Martin Schoock trägt im Original den Titel "Tractatus de Butyro. Accessit ejusdem Diatriba De Aversatione Casei, Hac altera Editione aucta & vindicata" und ist das jüngste und am weitesten nördlich entstandene der vier von uns mit oder in deutscher Übersetzung herausgegebenen Werke der frühen Milchwissenschaft. Die anderen sind (in der Reihe ihres ursprünglichen Erscheinens):

Pantaleone da Confienza       "Summa lacticiniorum" (Turin, 1477),

Conrad Gesner       "Libellus de lacte, et operibus lactariis, philologus pariter ac medicus" (Zürich, 1541),

Giovanni Costeo       "De lactis, serique natura, et in medicina usu" (Bologna, 1595).

Es unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht von seinen Vorgängern. Seine regionale Herkunft aus den Niederlanden ist überall sichtbar, bis hin zu den milchwirtschaft-lichen Fachwörtern und Sprichwörtern. Es behandelt nicht das gesamte Wissen seiner Zeit über Milch und Milchprodukte, wie seine ersten beiden Vorgänger, sondern bietet die erste Monographie über ein Milchprodukt, die Butter, und behandelt ein Spezialproblem zu einem anderem, dem Käse. Schließlich ist sein Verfasser nicht ein Mediziner, wie seine Vorgänger, sondern ein Polyhistor, der in seiner reichhaltigen Buchproduktion eine Reihe von Realien und Institutionen seiner Heimat, der Niederlande, zum Teil erstmalig, wissenschaftlich behandelt. Unter den Realien seien genannt die Heringe, die Störche, das Bier, die Tulpen, die Überschwemmungen, unter den Institutionen die sogenannten Kapitelgüter und ihr rechtmäßiger Besitzer sowie der niederländische Staat, unter den Geistesrichtungen der römische Katholizismus, der Remonstrantismus und der Sozinianismus. Schoock schreckte aber auch nicht vor z. T. heftigen Auseinandersetzungen mit niederländischen Geistesgrößen seiner Zeit wie dem Philosophen und Mathematiker Cartesius, dem reformierten Theologen Voetius und den Philologen Salmasius und Vossius zurück.

In seiner Monographie über die Butter breitet Schoock in 26 Kapiteln seine große Belesenheit in der einschlägigen Literatur, die von der Bibel über die griechischen und römischen Autoren der Antike und die des Mittelalters bis zu den modernen Autoren reicht, und seine Kenntnis der niederländischen Herstellung und Verwendung der Butter aus. Die von Schoock zum Thema "Butter" zitierten Autoren sind Philosophen, Philologen, Grammatiker, ärzte, Naturforscher, Historiker, Geographen, Kirchenlehrer, Theologen, Agrar- und andere Schriftsteller, aber auch Dichter.

Die Abhandlung über die Abneigung gegen den Käse (10 Kapitel), hier in zweiter Auflage, bemüht sich in durchaus wissenschaftlicher Weise um ein Problem, das den Autor als Betroffenen besonders interessiert. Anders als bei anderen Autoren führt seine eigene Abneigung gegen den Käse nicht dazu, dass er die generelle Wertlosigkeit dieses Nahrungsmittels einseitig zu erweisen sucht oder das Thema "Käse" zur Verulkung der Wissenschaft zu einem ironischen Lob in Form von pseudowissenschaftlichen Thesen für eine fiktive akademische Disputation benutzt, sondern er versucht die objektive Ursache für diese subjektive Einstellung zu finden. Das Thema ist vor ihm zwar schon von Thomas Sagittarius behandelt worden, aber da das Buch offenbar nicht in Groningen vorhanden war, muss Schoock hier selbständig vorgehen, natürlich unter Benutzung seiner immensen Belesenheit.

Siegfried Kratzsch

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Buchbesprechung von Prof. Dr. Manfred Kroger, Penn State University, 2009

in Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety Volume 8, Issue 3,
pages 155-156 (2009).

As we grow older, we develop a deeper appreciation for the past. Not only do we then reminisce about childhood, school years, and career, but most of us also become avid readers of history books and repeat visitors to museums, even collect memorabilia. There are several famous science/technology museums in the world and all dedicate some space to food technology. Several of you may own and cherish old items from the food literature. One who comes to mind was Dr. Max Ernst Schulz, who, at the German Dairy Research Center in Kiel, gradually built an extensive personal library of classic books of interest to the dairy industry and milk researchers.

The objective of this editorial/review is to encourage the young to occasionally stop pressing forward and also pay attention to what has been. The wisdom of a profession is captured in its early artifacts and its words and illustrations. We ought to pause at times and reflect on how it all began. The look back may make you smile or strike you with awe; you may even wonder how future generations will assess your own achievements.

* 1. Do yourself a favor and visit http://www.chemheritage.org. The Chemical Heritage Foundation (CHF) in Philadelphia was founded in 1980, and today 30 organizations are affiliated with it, notably the 2 charter members: American Chemical Society and American Inst. of Chemical Engineers. In my opinion, IFT ought to be included now because it commands a significant presence in the field of chemistry. The major parts of CHF are the Othmer Library of Chemical History (1988) and its arm, the Beckman Center for the History of Chemistry (1987), both devoted to foster a community of visiting scholars. CHF has a highly trained staff of historians, science-education specialists, librarians, curators, archivists, editors, development experts, public affairs specialists, and administrative personnel. The library, which is open to all users, contains more than 100,000 items of primary resources related to the history of the chemical and molecular sciences, technologies, and industries. There is an impressive oral history collection covering numerous noteworthy personalities. A special Neville collection includes many of the most important works in the history of science and technology with items from as far back as the 15th century. CHF also has classroom resources and sponsors frequent events. Its free quarterly magazine reaches 20,000 readers; you may want to begin collecting it. CHF is worth a visit, if not in person then at least via its web site.

* 2. In 1998, several individuals affiliated with the dairy industry in the area around Cologne, Germany, created something very similar to CHF. The physical installations, meant to become a museum, are still in their infancy, but the worldwide web of today makes it possible to get a good look now at the organization and its holdings. The home page of the association is at http://www.verein-milch-und-kultur.eu/milch-und-kultur.html. Loosely translated, it is the Foundation of Milk in Society and Culture, officially known as "Milch & Kultur Rheinland und Westfalen e.V." Its language is German, and mission of the association is threefold: a) to always remember milk and its importance as a food, along with the procedures of converting milk to dairy products; b) to point out the economic importance of milk and its role in the development of human societies and regional cultures; and c) singling out milk production and processing within the overall agricultural spectrum. Initial objective of the founders was to salvage archives, objects, traditions, and memories associated with the dairy industry of a specific area at the time when the well-known Milk Cooperative Cologne-Wuppertal was being taken over by Campina, the huge Dutch dairy cooperative, which in 2008 merged with Royal Frieslands Foods and is now known as Friesland Campina (7,000 employees). The web site shown above bears testimony to the steady growth of this group's acquisitions and activities. Much gets lost whenever such changes occur. So far, the organization has published 8 books (2 of them discussed below) and has several ongoing archival projects, including the largest collection of glass milk bottles in Germany, possibly Europe. Any CRFSFS readers who are collectors of dairy industry artifacts or who are intrigued by the attempts to set up dairy museums are advised to shop for ideas in this unique, ambitious, and still budding German installation.

* 3. Both groups described above have in their archives 2 different books by Conrad Gesner (1515--1565). The German milk and dairy aficionados saw to it that a recently discovered (after 450 years) original text was translated from the Latin. Kudos for that labor of love must go to Dr. Siegfried Kratzsch, Halle. His translation into German, along with a reprint of the 52-page original, was published in 1996 by Dr. Carl-Ludwig Riedel, Krefeld. The book has 183 pages and also contains 35 pages of commentary by the translator and bibliographic information about Gesner by Dr. Dieter Hansen, Berlin. More than a dozen antique illustrations are included to make this paperback an affordable acquisition (available for under 50 Euros from 2., above). Booklovers, philologists, historians, and especially participants in the dairy industry would want to be owners of this and similar unique items. It is mentioned here because this particular Gesner text can be considered the first comprehensive review of milk and milk products ever published (in 1541 by Christoph Froschauer, Zurich). Gesner was a respected and prolific physician/historian/author. His "Libellus de lacte, et operibus lactariis, philologus pariter ac medicus" (About Milk and Milk Products, an Overview for Philologists and Medical Practitioners) is a fascinating collection of writings about the subject by earlier authors; in other words, it is a comprehensive review (at that time) of what the Greeks Dioscurides, Galen, Aetios, Homer, Aristophanes, and the Romans Pliny the Elder, Columella, Cato, Varro, Palladius, and several others had said about the nature of milk and its origins, treatments, nutritional benefits, and change-over into such creations as whey, curd, cheese, butter, and even products of medical value. Some of these no longer exist and have no equivalent English term. For example, aphrogala seems to have been a popular milk foam, possibly a forerunner of whipped cream; and oxygala was a soured milk product, most likely what eventually became dahi, kefir, kumiss, and yogurt in other parts of the world.

* 4. Here is another "old" book that counts among the first in food science. It is 120 years younger than the one above at 3. It has also been "unearthed" and republished in its German translation by the group "Milch und Kultur" described in 2., above, and ought to find its rightful place in the archives of the Chemical Heritage Foundation introduced to you in part 1., above. Here is a condensed review of the book written in German by Dr. Eckhard Schlimme that was rendered into English by Axel Mixa, an accomplished translator of German dairy technology books:

Martin Schoock: A Treatise on Butter and on the Aversion to Cheese. Translated into German by Dr. Siegfried Kratzsch from the Latin, originally published in 1664 by Johann Coellens, Groningen. Published (in German) by Dr. Carl-Ludwig Riedel and Dr. Dieter Hansen, Verlag Milch und Kultur, Koeln, 2008, 215 pages, ISBN 978-3-9810663-3-3.

This first monograph on butter and cheese is almost 350 years old and now available in German for the first time, with numerous footnotes, an extensive keyword index, and 44 pages of comments by the publishers, as well as 30 illustrations. It can now be accessed by readers as a source on the history of dairying specifically and history of science and technology in general. The publishers, editors, and translator are to be commended for their efforts. Martin Schoock (1614--1669), a Dutch polymath, professor of classic literature, logic, physics, and history in Groningen and Frankfurt (Oder) was the author of about 50 publications dealing with philosophy, philology, and the natural sciences.

This monograph is in the form of an "exercitatio academica" on butter with 27 chapters and on cheese with 10 chapters. It is a unique treatise in that it deals with these 2 dairy products not only as food and therapeutic remedy, but also as economic/cultural commodities as recorded throughout the literary history of antiquity up to the time of the author's life. The physiologic action of 2 products is discussed according to the humoral/heat theory put forth by Hippocrates and Galen. But the author also displays his understanding of current techniques based on his precise observations of Dutch butter and cheese makers. He speaks of the dependence of butter quality on seasonality and bovine breeds, comments on the benefits of blending summer and winter butter, the practices of coloring butter, the importance of animal age and their feed and regionality on cheese quality, and the behavior of milk during curdling with calf rennet or with plant extracts (white thistle or fig, which had been used since antiquity). Today such treatises could be used as idea generators for modern investigators. Expounding on cheese aversions, the author objectively assessed individual human revulsions towards cheese and other foods. He thought some individuals to possess a "secret natural instinct of dislike" and searched the literature for case histories, but in the end concluded that such individual idiosyncrasies could not be generalized.

Schoock's monograph is an impressive document, it reflects his broad knowledge, and it is an example of a comprehensive review, and therefore included here, because the author cites 225 other authors, about one-half from his century, 25 from the Middle Ages, and 85 from antiquity (including 10 from the Bible). Schoock also shines through his specific insights into the artisanal technologies of buttermaking and cheese manufacture.

Editorial for July 2009: Looking into the Past: Reviewing 2 Institutions and 2 Books
Manfred Kroger , Ph.D.
Scientific Editor, CRFSFS
Professor of Food Science Emeritus
The Pennsylvania State University
Copyright 2009 Institute of Food Technologists

Inhaltsübersicht

    Seite
1.   Zu dieser Ausgabe (C.-L. Riedel, R. Belke-Grobe, H. Stöcker) VIII
2.1 Vorwort (S. Kratzsch) X
2.2 Zum Geleit (D. Hansen) XII
3.1
 
Widmung: Dem Berühmten und Sehr Hochherzigen
Herrn Otto Freiherrn von Schwerin
XXI
3.2 Biographisches zu Otto Freiherr von Schwerin XXIV
4.    Dem Leser Gruß XXV
5.1 
 
Tractatus de butyro
Traktat von der Butter

 
5.2  Verzeichnis der Kapitel des Traktats von der Butter 2
5.3  Übersetzung der Kapitel I bis XXVII 5
6.1
 
Tractatus de aversatione casei
Traktat von der Abneigung gegen den Käse
95
6.2
 
Vorwort an den Leser
Praefatio ad Lectorem (S. Kratzsch)
96
97
6.3 Verzeichnis der Kapitel des Traktats von der Abneigung gegen den Käse 98
6.4 Übersetzung der Kapitel I bis X 99
7.    Anhang 160
7.1 Lebenslauf von Martin Schoock. Zusammenstellung nach verschiedenen Quellen 160
7.2 Martin Schoocks Werke (S. Kratzsch)  162
7.3 Quellen zu Martin Schoock (S. Kratzsch) 173
7.4 Autoren bei Martin Schoock (S. Kratzsch) 174
7.5 Schoock-Sprichwörter in Harrebomes Spreekwoordenboek (S. Kratzsch) 185
8.    Abbildungsverzeichnis (C.-L. Riedel) 187
9.    Sachwortverzeichnis (C.-L. Riedel) 190
10.     Curriculum vitae Dr. phil. Siegfried Kratzsch 211

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Zum Geleit

von Dr. Dieter Hansen, Berlin im Juni 2007

"Jedes Handwerk hat nicht nur sein Können, sondern auch sein Wissen, das Wissen um die Eigenschaften des zu bearbeitenden Stoffes. Das Wissen wird besonders umfangreich und ist schwierig zu erfassen, wenn der Gegenstand die Natur selbst ist, wie in der Landwirtschaft. Daher hat das Wissen in der Landwirtschaft erst raschere Fortschritte zu verzeichnen, als das Wissen über die Natur – insbesondere über die Vorgänge in ihr, die hauptsächlich chemischer, physikalischer und biologischer Art sind – sich einer lebhafteren Pflege erfreute, wie es seit dem Beginn und um die Mitte des vorigen Jahrhunderts geschehen ist. ...
Um die gleiche Zeit setzte auch ein tieferes Eindringen in das Wesen der Milch und in die Vorgänge bei ihrer Verarbeitung ein, es entstand die Milchwirtschaftswissenschaft. ...
Es ist auch ... vor der Mitte des 19. Jahrhunderts verschiedenes Neue über die Natur der Milch bekannt gewesen. Ein rascheres Fortschreiten der Wissenschaft von der Milch und ihrer Technik trat erst um die Zeit von 1840 – 1880 ein, in den Jahren, in denen die Naturwissenschaften ihre erste Blütezeit hatten. ...
Es ist auch die Zeit, in der die T e c h n i k d e r M i l c h v e r a r b e i t u n g ihre erste, auf raschere und größere Mengen bewältigende Arbeit hinzielende Vervollkommnung erfuhr. Die Milchtechnik befand sich in der Periode des Übergangs zur Massenverarbeitung. ...
Es sind dies auch die Jahre der größten schöpferischen Tätigkeit auf dem ganzen Gebiete der Milchwirtschaft. In allen Ländern und Gegenden, in denen die klimatischen Verhältnisse Viehzucht und Milchwirtschaft ermöglichen, regten sich die Geister zu friedlicher Konkurrenz. Die glänzendsten Namen der Milchwirtschaft ... bezeichnen diese Periode. ...

Am Schluss dieser Zeit tritt dann eine Wissenschaft auf, die dem Wirtschaftsbetriebe ein neues Gepräge gibt, die Bakteriologie, richtiger die Pilzkunde. Es war allen Einsichtigen schon lange kein Geheimnis mehr, dass die oft sich recht unangenehm bemerkbar machenden Veränderungen in der Milch und ihren Produkten nicht rein chemischer und physikalischer Natur sein könnten, dass hier vielmehr Lebewesen tätig sein müssten ... . ...
In erster Linie ist es also um die Zeit der Jahrhundertwende und auch noch heute die Bakteriologie, welcher die Milchwirtschaft ihre hauptsächliche Förderung verdankt. Von nun an ist sie es, welche die Technik der Milchzubereitung und Milchverarbeitung beherrscht, und unter den von ihr gegebenen Gesichtspunkten entstehen neue Methoden und Apparate für diese. Zu ihr ist, obwohl auch schon früher diesbezügliche Beobachtungen gemacht wurden, ..., in neuerer Zeit von den naturwissenschaftlichen Disziplinen die Physik ... hinzugetreten".

Diese von Hermann Weigmann in seinem dem Titel "Männer um Martiny" vorangestellten Aufsatz "Die Milchwirtschaft in ihrem Werden als angewandte Wissenschaft" formulierten Entwicklungslinien treffen auch 70 Jahre nach ihrer Veröffentlichung im Jahre 1936 zu. Wenn man von einzelnen Veröffentlichungen absieht, "erlahmt" etwa mit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert das Interesse an Publikationen über die Entwicklung der Milchwirtschaft von den Anfängen bis etwa zum beginnenden 19. Jahrhundert. Ein Grund dafür mag die fehlende Kenntnis und Beherrschung der alten Sprachen sein. Ein weiterer Grund ist die Lesbarkeit dieser Texte, denn der Leser wird mit Aussagen konfrontiert, die dem System der Humoral- und Temperamentenlehre entsprechen. Dieses System entstand aus dem Bemühen, die in der Natur beobachteten Erscheinungen in Übereinstimmung mit den Auffassungen und Fragestellungen der Philosophie und der Medizin zu diesen Dingen rational zu erklären und so das vorhandene und sich ständig erweiternde empirische Wissen in ein geschlossenes, einheitliches und sich zugleich veränderndes System einzubetten. Diese Entwicklung begann etwa im 6. Jahrhundert v. Chr. mit den Lehren der Naturphilosophen (z. B. Thales von Milet oder Anaximenes) und bestimmte die Darstellung und Interpretation wissenschaftlicher Zusammenhänge in Medizin und Ernährung bis weit in das 18. Jahrhundert n. Chr. Als Temperament wird im ursprünglichen (durch Galen festgestellten) Sinne die durch das Überwiegen des einen oder anderen der Hauptsäfte des menschlichen Körpers bedingte körperliche und seelische Eigenart bezeichnet. Da vier solcher Säfte unterschieden wurden, so ergeben sich vier Temperamente; das c h o l e r i s c h e beruht auf dem Überwiegen der gelben Galle, die (wie das Element des Feuers) von warmer und trockener, das m e l a n c h o l i s c h e auf dem der schwarzen Galle, die (wie die Erde) von kalter und trockener, das p h l e g - m a t i s c h e auf dem des Schleimes, der (wie das Wasser) von kalter und feuchter, das s a n g u i n i s c h e auf dem des Blutes, das (wie die Luft) von warmer und feuchter Beschaffenheit ist. Der vorstehenden Definition nach hatte man hierin also eigentlich nicht sowohl Modifikationen des normalen menschlichen Typus, sondern vielmehr Abweichungen von ihm (von der gesunden Mischung der Säfte) zu sehen, weshalb Galen auch nicht von Temperamenten, sondern von "Dyskrasien" (also eigentlich Intemperamenten) sprach. Im Laufe der Zeit hat sich nun die Annahme von vier Temperamenten aus einer vorwiegend physiologischen in eine rein psychologische Lehre verwandelt und sich erhalten, auch nachdem ihre ursprüngliche Grundlage längst als Irrtum erkannt worden war. Über eine Zeit von mehr als 2000 Jahren war dieses System so etwas wie "die Grammatik der Sprache der Wissenschaft" auf den vorgenannten Gebieten. Erst als zahlreiche naturwissenschaftliche Ergebnisse offensichtlich nicht mehr in dieses System hineinpassten, begann ein neuer Abschnitt der Wissenschaften. Bis es aber soweit war, hatten die Autoren in diesen Zeiten (und nicht nur in diesen) erhebliche Probleme der Darstellung und Einordnung von Ergebnissen, die neue Denkweisen erforderten oder hervorbrachten und so im Widerspruch zur herrschenden Lehrmeinung standen. Ein bewährter Weg zur Lösung bestand (und besteht) in der konsequenten Einbettung von problematischen Ergebnissen in das System durch nicht näher erklärte Erweiterungen von "Systembegriffen". Ein anderer Weg ist die korrekte Darstellung der Ergebnisse in Verbindung mit der Mitteilung da rüber, was einer Einordnung im Wege steht. Die Autoren waren in diesem Zusammenhang zu allen Zeiten sehr einfallsreich. Im Ergebnis solcher „Bemühungen" finden si